Eines Tages wieder in Santiago de Compostela ankommen ....

Eines Tages wieder in Santiago de Compostela ankommen ....

…. das wäre doch was. Aus einer Bierlaune heraus, hatte mein Bruder Ingo mir zugesagt, mich auf der nächsten Pilgerreise zu begleiten. Er hatte bis dato keinerlei Erfahrungen zum Thema Wandern gesammelt. Auch verfügte er über kein einziges Ausrüsstungsteil, weder Schuhe noch Rucksack. Nun musste die Bierlaune nur noch in die Tat umgesetzt werden. Er kaufte sich in einem Düsseldorfer Outdoorladen passende Schuhe und nach und nach ein paar Dinge wie Hosen, Socken und Co.

Die ersten Testläufe wurden vollbracht. Einen zweiten Rucksack hatte ich noch und somit stand unserem Vorhaben nichts mehr entgegen.

Wir konnten beide nicht ahnen, wie gut es mit uns funktionierte, geiles Team.

Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind.

Alexander Graham Bell, Erfinder (1847-1922)

Meerbusch - Grevenbroich (Kloster Langwaden), 18,4 km

Am 30.06.2020 trafen wir uns gegen 08:00 Uhr morgens bei mir. Nach ein bischen gequatsche und ein bis zwei Tässchen Kaffee, machten wir uns auf unsere erste gemeinsamen Wanderung. Wir wählten den Pilgerweg in Richtung Aachen, der uns über Neuss, Grevenbroich, durch das rheinische Braunkohletagebaurevier, durch Jüchen nach Aachen führte. Wir brauchten vielleicht 1,5 Stunden, dann waren wir bereits am Münsterplatz in Neuss und besichtigten den St. Quirinus Münster, eine imposannte Kirche aus dem 13. Jh. 

Hier zündeten wir eine Kerze, für unseren kürzlich verstorbenen Bruder Mike an, er sollte unseren Weg begleiten. Was ich sehr schön fand, Ingo hatte an seinem Rucksack, den FifftyFiffty-Ausweis von unserem Bruder befestigt.

Nach einer kleinen Pause auf dem Marktplatz, ging es für uns weiter. Der Weg führte uns durch das Obertor aus der Innenstadt raus. In Richtung Selikum ging es entlang der Obererft bis zum Kinderbauernhof. Auch hier machten wir eine Pause und gönnten uns nochmal einen leckeren Kaffee. Denn ich wusste das bis zu unserem Etappenziel, keine Einkehrmöglichkeit mehr kommt. Ab dem Selikumer Park, führte uns der Weg eine Zeit lang an der Erft stromaufwärts. Vorbei an der Erprather- und Eppinghovener Mühle bis nach Helpenstein. Über einen Bahndamm, der nie fertiggestellt wurde und heute den Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung steht, gelangten wir schnell über Hülchrath zum Kloster.

Gegen 14:30 Uhr kamen wir dann endlich an unserem Etappenziel, dem Kloster Langwaden an. Da aufgrund von Corona, das Restaurant nur bis 15:00 Uhr geöffnet hatte, mussten wir unser Abendessen vorziehen. Wir entschieden uns für die Riesenbockwurst mit Kartoffelsalat. Anschließend bezogen wir unser Pilgerzimmer, welches ich vorher bereits gebucht hatte.

Das Erreichen unseres Zimmers war ein Akt für sich. Ein Angestellter, wahrscheinlich ein Italiener, überreichte mir den Schlüssel. Wir hatten Pilgerzimmer 1. Da der Angestellte so hektisch war, nannte ich ihn kurzerhand, Trapatoni. Trapatoni zeigte uns Treppe rauf dann links –

Wir gingen die Treppe rauf dann links, denn an der Wand sahen wir ein Hinweisschild, Zimmer 1-9 links. Also machten wir uns auf den unendlich langen Weg zum Zimmer 1. Nach einigen Gängen und Zwischentüren standen wir vor Zimmer 1. Der Schlüssel passte nicht, ich dachte das fängt ja gut an. Den langen Weg zurück zur Rezeption. Treppe runter rechts, keiner da und alle Türen verschlossen. Am Briefkasten stand eine Handy-Nr., diese hatte ich dann angerufen angerufen und damit eine Dame im Urlaub erwischt. Sie teilte mir mit, dass sie ihrem Kollegen Bescheid gibt. Nach 10 Minuten war Trapatoni wieder da, sichtlich sauer, da ich ihn, wobei auch immer störte.

Er ging mit mir in den ersten Stock, dort war direkt links neben der Treppe eine Tür, mit einem handgemalten Zettel „Pilgerzimmer 1“. Er schloss die Türe auf und mahnte mich mit Blicken, da der Schlüssel passte und er scheinbar umsonst gekommen war.

Mein Bruder stand immer noch vor dem anderen Zimmer 1, ich also den Gang nach links (dem Hinweisschild Zimmer 1-9 folgend), bis zum Zimmer 1, um ihm mitzuteilen, dass wir falsch waren.

Endlich im Pilgerzimmer angekommen,  belegt ich das linke Bett und mein Bruder das rechte. Dann stellten wir fest das ich Bettwäsche und Kopfkissen hatte, mein Bruder nicht. Den Rest kann man sich vielleicht vorstellen, alles im Erdgeschoß verschlossen!

01.07.2020 Grevenbroich Kloster Langwarden – Alt Kaster, Bedburg ca. 25km

Eine wunderbare Nacht hatten wir hinter uns. Das Frühstück im Kloster war reichhaltig und gut. Insgesamt waren mit uns 4 Übernachtungsgäste im Kloster. Nach dem ich unser Quatier bezahlte, machten wir uns bei leichtem Nieselregen auf, um unser heutiges Etappenziel Alt Kaster zu erreichen. Ab Wevelinghoven führte uns der Weg wieder am Flusslauf der Erft entlang. Aus dem Nieselregen wurde eine kräftige Schauer, der uns unseren Poncho aufzwang. Nach rund einer Stunde, war der Regen wieder vorbei und wir ließen die Stadt Grevenbroich hinter uns.

Über Gustorf am Kraftwerk Frimmersdorf vorbei, trafen wir wieder auf die Erft. Hier legten wir promt eine zweite Frühstückspause ein. Auf einem Betonfundament saßen wir mit baumelnden Beinen und schauten uns die Erft und das dahinter liegene Kraftwerk an. Es ging weiter dem Lauf der Erft entgegen Irgendwann trennten wir uns vom Fluß und liefen an der Mühlenerft entlang bis zum Kasterer See und kamen nach ein paar Kilometern in Alt Kaster an.
Tageszeil erreicht, wir sahen einen Biergarten mit Paulaner Werbung und freuten uns auf ein leckeres gekühltes Bierchen ….. denkste ……. Ich stellte fest, das das Zimmer welches ich vorbuchte, leider noch ca. 3 km in Richtung Bedburg lag. Also Zähne zusammen beißen und weiter bis Bedburg laufen. Die gewählte Pesion war sehr schön und modern eingerichtet. Leider gab es in der Nähe kein Geschäft zum Einkaufen und 1,5km bis zum Aldi und zurück, für ein Abendessen bzw. ein Frühstück, war uns dann doch zu viel. Ich bestellte später bei einem asiatischen Imbiss unser Abendessen. So hatten wir auch noch Nudeln zum Frühstück übrig 😉 !!

02.07.2020 Bedburg - Jülich ca. 22,5 km

Wir machten uns morgens früh, nach einer Tasse Kaffee und den restlich Nudel vom Vortag, also einem gelungen Frühstück, auf in Richtung Jülich. Da wir ca. 3 km südlich von meiner geplanten Etappe entfernt waren, erlaubte ich es mir, die Stecke etwas anders als geplant zu gestalten. Wir passierten kleine Ortschaften und viele verschiedenen Felder. In Kirchtroisdorf kamen wir dann an einem Tante Emmaladen vorbei, hier musste ich unbedingt etwas einkaufen. Eigentlich bin ich kein Cola Trinker, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, das ich eine brauchte. Kurze Pause mit Cola und Müsliriegel, dann ging es auch schon weiter. Wir liefen an großen Windkrafträdern vorbei und umrundeten den nördlichen Teil des Braukohletagebau Hambach. Diese Runde nahm irgendwie kein Ende, ca. 5 km entlang einer Abraumhalde. Ich hatte mir später mal auf einer Karte angesehen wie groß so ein Abraumgebiet ist, einfach Wahnsinn.

Anschließend liefen wir wieder über Felder und Wiesen, an kleinen Bauern- und Pferdehöfen vorbei bis wir in Jülich auf dem Sportplatz vom FC Germania landeten. Dort war eine Bank und wir ruhten erstmal wieder aus. Anschließend führt uns der Weg an Einfamilien- und Siedlungshäusern vorbei nach Jülich. In Jülich kauften wir uns einen Kaffee und setzten uns beim Bäcker in die Fußgängerzone, bevor wir unsere Pension aufsuchten. Plötzlich schlug das Wetter um und wir saßen im stömenden Regen unter einem Sonneschirm eng zusammen gekauert. Etwa eine halbe Stunde später war alles wieder trocken und wir machten uns auf den Weg in die Pension. Dritte Etage im Altbau, knirschende Stufen, begleiteten uns ins Zimmer. Ein gemütliches Zimmer, mit kleiner Küche und Bad. Abends gingen wir dann noch in die Stadt um etwas zu essen. Was speißt man(n), wenn das Angebot groß ist? Gut bürgerlich, beim Italiener, einen Döner auf der Hand …… wir landeten beim Griechen, direkt am Hexenturm, einem Stadtor. Super Essen, wir waren satt.

03.07.2020 Jülich - Kinzweiler ca. 19km

Nach einem ausgiebigen Frühstück beim Bäcker, machten wir uns mal wieder auf dem Weg. Zuvor mussten wir noch ein paar Fotos von der Zitadelle machen, einem Teil der ehemaligen Festung Jülich. Dann führte uns der Weg, durch das Aachener Tor, entlang an der Rur, stadtauswärts. Irgendwann mussten wir dann die Rur überquerren und dann ging es wieder an vielen Feldern und Wiesen entlang, weiter in Richtung Kinzweiler. Der Weg verlief entlang einer alten Bahntrasse ca. 5 km nur geradeaus. In Aldenhoven angekommen, machten wir erstmal Pause. Wir hatten noch jeder ein Brötchen, welches verspeißt werden wollte. Nach kurzer Rast, nahmen wir die restlichen 9,5 km in Angriff. Wir kamen auf unsere Strecke wieder einmal an Windkrafträdern vorbei, die wirklich riesig und teilweise bedrohlich wirkten. Auch machten diese Riesen Geräusche, wenn die Flügel die Luft zerschnitten.

Kinzweiler ist ein nördlich gelegener Stadtteil von Eschweiler, von der Größe und Einwohnerzahl recht überschaulich. Hier bezogen wir einen schöne kleine Pension. Der Eigentümer hatte uns sogar schon zwei Flaschen Bier kaltgestellt, was für ein Empfang.
Nach dem wir uns etwas frisch gemacht hatten, verfiel ich in einen kleinen tiefen Nachmittagsschälfchen. Gegen Abend aufgewacht, angezogen und dann zum Essen in das nächste,  bzw. einzigste Lokal. Es gab große Schnitzel mit Pilzen und Fritten, für kleines Geld, dazu frischgezapftes vom Fass. Das kleine Witshaus war recht voll und die Stimmung stieg unerwartet hoch an. Als dann auch noch die Musik eingeschaltet, bzw. die Laustärke um ein vielfaches erhöht wurde, war Partytime angesagt. Gut, die Musikauswahl lies zu wünschen übrig, denn es fing mit dem Radetzky-Marsch an, gefolgt von Status Quo, den Beatles, Hohe Tannen, Helene Fischer, ZZ-Top usw. Es dauerte nicht lange und mein Bruder und ich standen quasi im Mittelpunkt. Der Wirt saß an unserem Tisch und zeigte Fotos, der zukünftige Schützenkönig trank mit uns an der Theke ein Schnäpsli, die Kellnerin bediente uns zuvorkommend. Es war ein schöner Abend und wir waren tatsächlich erst um drei Uhr morgens im Bett. -unbelievable-

04.07.2020 Kinzweiler - Aachen ca. 15km

Nach einer recht kurzen Nacht, standen wir zeitig auf und machten uns langsam fertig. Unser Gastgeber hatte schon tagszuvor, unseren Kühlschrank für das Frühstück befüllt, Kaffee gab es aus der Padmaschine. Ich deckte uns den Tisch auf der Terrasse, kochte Eier und stellte den Aufschnitt bereit. Wir konnten uns gemütlich für die restlichen 15 km stärken.

Da unser Weg nicht allzu lang war, ließen wir uns verhältnismäßig viel Zeit. Aber nun musst wir aufbrechen, es war so gegen 10:30 Uhr. Unser Weg führte uns zügig aus Kinzweiler heraus (ist ja auch ein kleines Dorf). Es ging dann wiedermal über Wiesen und Felder.

Kurz vor dem Flugplatz Aachen-Merzbrück, unterquerten wir die A44 und kamen kurzerhand nach Würselen. Ab jetzt liefen wir leider nur noch auf asphaltierten Straßen. Von Würselen bis Haaren führte der Weg langsam und stetig bergab.

Die Vororte ziehen sich hin wie Suppe. Häuser zerfallen und in maroden Zustand, so präsentiert sich anfänglich Aachen. Nach einigen Kilometern kamen wir auch dem Zentrum immer näher. Da unser Hotel genau auf dem Weg lag, checkten wir zuerst ein und hübschten uns auf, bevor wir uns in Richtung Dom aufmachten. Ein kurzes Telefonat und wir trafen unsere Frauen. Sie waren tagsüber angereist und warteten mittlerweile auf uns.
Auf zum Aachener Dom hieß es! Es ist ein imposante Bauwerk, welches sich im Laufe der letzten 1200 Jahre durch verschiedene An- und Umbauten, von einer kleinen Pfalzkapelle zur Bischofkirche gewandelt hatte. Eine Besichtigung des Doms war für uns ein „Muss“. Ziel erreicht, von Meerbusch nach Aachen.

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